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Sexuelle Aufklärung im Jugendalter: Wie Eltern ihren Kindern helfen können

Es gibt viele Ratgeber für Eltern, die dabei helfen sollen, in Fragen der Erziehung die Handlungen der jeweiligen Eltern zu stärken und ihnen zu helfen, das „Richtige“ zu tun. Jedoch gibt es in der Adoleszenz-Phase von Jugendlichen viele Situationen, mit denen einige Eltern zunächst überfordert scheinen. Wie also können Eltern handeln, damit es für ihr Kind und sie zum einen als „richtig“ erscheint, zum anderen auch hilfreich in der Eltern-Kind-Beziehung und für den Abnabelungsprozesses des Kindes ist?

So schwierig es für Sie erscheinen mag, ein Gespräch über Liebe und Sexualität mit ihrem Kind zu führen, seien Sie beruhigt: Für Ihr Kind bedeutet es eine noch viel größere Überwindung und eine riesige Angst, mit solch brisanten Themen Rat oder Hilfe bei den Eltern zu suchen.

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„Aufklärung nennt man den Vorgang, bei dem ein Erwachsener mit Hilfe aller seiner Kenntnisse den Kindern ein Viertel von dem erzählt, was sie schon wissen.“

- Wolfgang Herbst -

Ab wann sollte die sexuelle Aufklärung stattfinden?

Grundsätzlich ist es sehr hilfreich dann zu beginnen, wenn ihre Kinder anfangen, den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen zu erkennen. Versuchen Sie hier, nicht verschlossen oder verängstigt an das Thema Sexualität heran zu gehen. Je früher sie beginnen einem Kind zu zeigen, dass Sexualität und auch mit Menschen über Liebe, Gefühle und weitere Themen, die mit Sexualität in Verbindung stehen, zu sprechen etwas ganz normales ist, desto leichter kann es Ihnen im späteren Verlauf fallen, auf Fragen, Bedürfnisse und Unklarheiten einzugehen. Sie haben bereits eine Vertrauensbasis geschaffen und Offenheit kommuniziert. Grundsätzlich erstreckt sich die Phase der Aufklärung über einen längeren Zeitraum.

Sie werden mit Ihren eigenen Ansichten konfrontiert sein.

Durch die sexuelle Aufklärung Ihres Kindes (bzw. Ihres Jugendlichen) dürfen Sie Ihr eigenes Beziehungsmuster vielleicht zum ersten Mal in Ihrem Leben Ihrem Kind anschaulich vermitteln, erklären oder aufzeigen. Ebenso ist es möglich, dass Sie in Gesprächen über Sexualität, sexuelle Orientierung und sexuelles Verhalten auf Themen stoßen, die Sie selbst beschämen oder die Sie ablehnen. Daher ist es wichtig, dass Sie sich selbst auf eventuelle Fragen vorbereiten und Ihre eigenen Ideen und Vorstellungen von Sexualität erkennen und vielleicht auch einmal kritisch betrachten. Es ist wichtig, dass Sie verstehen, dass Ihr Kind zu einem sexuellen Wesen heranwächst und die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Kind sprechen, äußerst wichtig für das weitere Vertrauen Ihnen gegenüber sein kann.

 

Obwohl es auf den ersten Blick nicht so scheint, zeigen einige Studien (z.B. BZgA – Jugendsexualität; Dr. Sommer Studie), dass die sexuelle Aufklärung größtenteils Zuhause geschieht. Ja, die Peer-Groups (also der Freundeskreis Ihres Kindes) und der Sexualkunde-Unterricht tragen ihren Teil zur sexuellen Aufklärung von Jugendlichen bei, doch sind die Eltern noch immer am Gefragtesten, wenn es um Themen geht, die Jugendliche wirklich interessieren. Der Wunsch, sich mit solch vertraulichen Fragen und Bedürfnissen an die Eltern zu wenden, ist bei Jugendlichen groß, trotz „pubertärer Sprachbarrieren“.

Wie können Sie also Ihre Kinder durch sexuelle Aufklärung in ihrem Prozess zum Erwachsenwerden unterstützen?

Gerade dann, wenn Sie sich selbst nicht unbedingt 100% sicher fühlen, über diese Thematik zu sprechen, holen Sie Rat bei Experten ein. Das können Sexualpädagogen, Beratungsstellen oder eben auch Sexualtherapeuten wie wir sein. Das kann vor allem dann besonders hilfreich sein, wenn Sie absolut keinen Draht dazu haben, sich mit Ihrem Kind über das Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit zu unterhalten. Jugendliche merken, wenn ein Unbehagen in der Luft liegt. Versuchen Sie den Gesprächsrahmen offen und locker zu gestalten. Egal was Ihr Kind Ihnen erzählt oder anvertraut, bleiben Sie neutral. Die Unsicherheit von Jugendlichen ist erheblich höher als bei jeder anderen Altersgruppe. Sie sind ständig damit konfrontiert, ob sie dazu gehören, ob sie so akzeptiert werden, wie sie sind. Daher gilt als allgemeiner Tipp: Akzeptanz für die Äußerungen der Jugendlichen.Eine schockierte Reaktion zum Beispiel, macht sie nur noch unsicherer, als sie es ohnehin schon sind.

Kommen Sie über Themen ins Gespräch, die Sie als wichtig wahrnehmen.

Erzählen Sie Ihrem Kind von Ihren eigenen Erfahrungen mit sexueller Aufklärung und dem eigenen Heranwachsen. Es ist hilfreich unsicheren Jugendlichen aufzuzeigen, dass auch ihre Eltern bzw. Erwachsene im Allgemeinen mit Situationen und Themen konfrontiert waren, die in ihnen Unsicherheit hervorgerufen haben. Sie müssen nicht alles erzählen – vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und Ihr Verständnis für die Situation Ihres Kindes. Seien Sie auch ein bisschen mutig, Ihr Kind wird es Ihnen danken. Es wird sehen, dass auch Sie Unsicherheit, Ängste und Unzulänglichkeiten kennen. Ihr Umgang damit bestimmt, wie Ihr Kind mit ebendiesen Aspekten umzugehen lernt. Ebenso steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind mit zukünftigen Partnern oder Partnerinnen leichter über die Themen einer Beziehung in Austausch treten kann.

Stellen Sie Fragen.

Ob Verständnisfragen über Begrifflichkeiten oder generell zu bestimmten Aussagen Ihrer Kinder. Zeigen Sie Interesse und bleiben Sie wertfrei. Jugendliche brauchen das Gefühl, ernst genommen zu werden. Öffnen Sie einen Raum für Ihr Kind, der sich positiv auf weiterführende Gespräche auswirkt und ein offenes und ehrliches Miteinander noch besser gelingen lässt. So zeigen Sie ihrem Kind auch, dass Sie da sind – für alle Fragen und auch bei schwierigen Themen.

Zeigen Sie Ihre Bereitschaft aber üben Sie keinen Druck aus.

Wenn Ihr Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mit Ihnen sprechen möchte, sollten Sie nicht beunruhigt sein. Wie eingangs erwähnt ist es eine große Überwindung, sich mit solch privaten Themen auf ein solch unbekanntes Territorium zu begeben – gerade für Jugendliche. Zeigen Sie Ihrem Kind dennoch, dass Sie bereit sind, über Sexualität und alles, was dazugehört, zu sprechen. Auch wenn der elterliche, heimische Einfluss groß ist, bewirkt der gerade im Jugendalter größer werdende Einfluss von Peer-Groups, dass Jugendliche zunächst darauf vertrauen, was ihr Freundeskreis sagt. Hier kann ein Gruppenzwang entstehen, dem Jugendliche und Kinder unterliegen. Sie fühlen sich dann dazu verpflichtet Dinge zu tun, die sie selbst (noch) gar nicht wirklich wollen. Wenn Jugendliche merken, dass durch den Gruppenzwang Dinge geschehen, die für sie zu früh kommen oder die sie schlichtweg einfach nicht machen wollen, werden Sie im Normalfall wieder auf ihre Eltern oder erwachsenen Bezugspersonen zurückgreifen. Finden Sie hier einen vertrauensvollen, offenen und wertfreien Rahmen, werden sie lernen, dem Gruppendruck stattzuhalten und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und zu vertreten.

Helfen Sie Ihrem Kind, „gesunde“ Entscheidungen zu treffen.

Haben Sie ein offenes Ohr für Ihre Kinder (das kann ich gar nicht oft genug erwähnen) – egal, ob Liebeskummer, der Gruppenzwang, Sex haben zu müssen oder sonst was. Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Ihnen als Eltern in erster Linie wichtig ist, dass es lernt, stabile, gesunde Beziehungen zu führen. Wenn Sex hierbei eine Rolle spielen sollte, versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass Sex etwas sehr Intimes ist, das man nicht unbedingt mit jedem teilen muss – auch wenn es zunächst „cool“ erscheint. An dieser Stelle ist noch erwähnenswert, dass spätestens in dieser Phase, in der es um den ersten Sex geht, ein Gespräch über angemessene Verhütungsmittel unerlässlich ist. Möglicherweise lernen Ihre Kinder die „gängigen“ Methoden schon im Sexualkunde-Unterricht oder bei Instituten kennen. Zeigen Sie jedoch auch hier Präsenz und sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind weiß, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann. Sprechen Sie über die Nutzung verschiedener Verhütungsmittel und machen Sie die Risiken fehlender Verhütung klar. Schauen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind Infomaterial an, so bleiben auch Sie auf dem Laufenden bleiben (Infomaterial finden Sie zum Beispiel über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).

Vom Umgang mit Pornografie und Sex in öffentlichen Medien

Dieses Thema kann ich des Umfanges wegen hier nur kurz anreißen, dazu wird sicher noch ein weiterer separater Artikel folgen. Nichtsdestotrotz möchte ich es hier nicht unerwähnt lassen. Denn dieses Thema ist durchaus eine weitere brisante Komponente, die in die sexuelle Aufklärung hineinspielt (bzw. hineinspielen sollte). Durch Smartphones und die Verfügbarkeit von Internet egal wann und wo man dies braucht, hat sich die Art verändert, wie Kinder an sexuelle Inhalte gelangen. Klären Sie Ihr Kind auf, dass die Verbreitung von sexuellen Inhalten an Minderjährige eine Straftat darstellt, da dies Verbreitung von pornografischen Inhalten ist. Außerdem ist es ebenfalls enorm wichtig, Ihrem Kind zu erklären, dass die Darstellung von Sex in Filmen oder in der Werbung vielleicht sehr anschaulich sein mag, dies aber nicht unbedingt der Realität entspricht. In Filmen, gerade von pornografischem Inhalt, wird ein Bild von Sexualität vermittelt, welches in realen Beziehungen eher zu Problemen als zu Erfüllung führt. Es gibt andere Möglichkeiten und Wege, Sexualität zu gestalten – vermitteln Sie Ihrem Kind diesen Horizont.

Autor:

Matthias Bartosch

Matthias Bartosch

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